Test SONOMA ACOUSTICS M1

Audiophile Kopfhörer aus dem High-End Segment

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fidelio
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Test SONOMA ACOUSTICS M1

Beitrag von fidelio » 30.12.2017, 19:38


SONOMA ACOUSTICS M1.jpg

Heute teste ich für euch das neue elektrostatische Kopfhörersystem M1 des britisch/amerikanischen Herstellers SONOMA ACOUSTICS. Eigentlich war diese Rezension schon längst überfällig, denn zwischenzeitlich stapeln sich schon weitere Testprobanden neben meinem Schreibtisch.

Aber ich konnte mich bislang nicht zu einem Testbericht des M1 durchringen. Und zwar nicht aus klanglichen Gründen, sondern vielmehr aus den Zeitlichen. Denn bereits die allererste Kontaktaufnahme mit dem Erstlingswerk von SONOMA ACOUSTICS auf der diesjährigen CANJAM in Berlin bestärkte mich in meiner Annahme, das dies unter Umständen eine sehr ausführliche Rezension nach sich ziehen könnte.

Nach dem ersten Hörcheck in den heimischen vier Wänden vor nunmehr 6 Wochen wurde mir relativ schnell bewusst, dass dies mehr als nur eine wage Vorahnung war. Denn dieses innovative und phänomenal aufspielende Gespann aus DAC, DSP, Kopfhörerverstärker und natürlich dem Ohrlautsprecher hat eine intensivere Betrachtung sowohl aus technischer als auch in klanglicher Hinsicht mehr als verdient.

Und alle alt gedienten Ritter des Klanges, welche sich auf der Suche nach ihrem persönlichen musikalischen Gral schon seit Jahren um eine endgültige Systemlösung bemühen, könnten heute schlussendlich fündig werden. Denn eines kann ich an dieser Stelle schon vorwegnehmen - das SONOMA ACOUSTICS M1 ist ein absolutes Highlight. Ein strahlend neuer Stern am Kopfhörerhimmel.

Aber alles der Reihe nach. Schon seit einigen Jahren trage ich mich mit dem Gedanken, mir einen Kopfhörer der Marke STAX zuzulegen. Gescheitert ist dies in der Anfangszeit dieses schönen Hobbys in allererster Linie an der Notwendigkeit, zeitgleich einen entsprechenden Hochvolt-Spielpartner in den Kaufpreis mit einkalkulieren zu müssen. So wurden von mir zumeist die entsprechenden Pendants aus der magnetostatischen Fraktion bevorzugt.

Denn bekanntlich haben ja auch andere Väter schöne Töchter. Und da auch diese Art der Flächenstrahler im Laufe der Zeit zu immer neuen klanglichen Höhenflügen ansetzten, verschob sich infolgedessen auch meine musikalische Erwartungshaltung gegenüber den Elektrostaten von STAX. Aus einem SR507 wurde gedanklich ein SRL700, aus selbigem ein SR007 MK2 und schließlich ein SR009.

Wobei mich in den ziemlich regelmäßigen jährlichen Hörchecks keiner der genannten Kopfhörer an der hauseigenen Elektronik vollständig überzeugen konnte. Schon gar nicht in Bezug auf die etwas ambitionierten Preisschilder des Herstellers. Denn selbst an einem SRM007 spielt beispielsweise der SR009 IMO weit unter seinen klanglichen Möglichkeiten.

Erst an dem neuen Hybridverstärker STAX SRMT8000, welcher speziell für den Betrieb mit dem Spitzenmodell der Japaner entwickelt wurde, entfaltet der SR009 nahezu sein volles Potential. Allerdings wird infolgedessen ein Systempreis von gewaltigen 11.500,- Euro fällig. Und hierbei ist die zumeist zwingend notwendige Anschaffung eines adäquaten Digital-Analog-Wandlers noch gar nicht einmal berücksichtigt.

Gleichsam verhält es sich bei der Paarung von STAX Kopfhörern mit HIGH-END Verstärkern renommierter externer Manufakturen. Eine Traumkombination ist beispielsweise das kongeniale Spiel eines HEADAMP BLUE HAWAII SE in Verbindung mit dem STAX SR009. Für läppische 13.500,- Euronen wird dieser musikalische Traum wahr...

Warum ich das alles überhaupt erwähne? Nun, weil das neue M1 von SONOMA ACOUSTICS jetzt erstmalig in die klangliche Phalanx der elektrostatischen Spitzensysteme von STAX einbricht – zu einem vergleichsweise günstigeren Kurs. Und sich darüber hinaus die Suche nach einem entsprechend geeigneten Spielpartner ebenso erübrigt. Zumal beide Komponenten des M1 in perfekter Synergie kooperieren und infolgedessen auch das bestmögliche klangliche Ergebnis erzielen. Aber dazu später natürlich mehr.

Verpackung & Ausstattung

Geliefert wird das SONOMA ACOUSTICS M1 grundsätzlich in zwei getrennten Verpackungseinheiten. Kopfhörer sowie Kopfhörerverstärker präsentieren sich dabei in sehr hochwertigen hellblauen Kartonagen, welche innen großzügig mit schwarzem Schaumstoff ausgeschlagen sind und den beiden Komponenten somit einen optimalen Schutz bieten.

Die Kopfhörereinheit beherbergt zudem das abnehmbare schwarze Anschlusskabel in 2 Meter Länge, welches vom Hersteller STRAIGHT WIRE speziell für den Einsatz am M1 entwickelt wurde. Dem Verstärkermodul werden neben einem erstklassigen externen Ultra-Low-Noise-Netzteil gleichsam ein adäquat gefertigtes USB Kabel, ebenfalls von STRAIGHT WIRE, beigepackt. Eine Bedienungsanleitung komplettiert in beiden Fällen die exquisite Ausstattung.

Vielleicht noch eine amüsante Anekdote am Rande. Das ursprüngliche Verpackungsdesign des Kopfhörers beinhaltete eine kleine Schublade im unteren Teil der Kartonage, welche das oben genannte Kabel sowie die entsprechende Anleitung enthielt. Wirklich sehr schön gemacht.

Speziell in den USA beschwerten sich aber fortan Käufer des M1 vermehrt über ein fehlendes Anschlusskabel für ihren Kopfhörer – weil sie das Fach in der Verpackung schlichtweg nicht fanden. Der Hersteller hat diesem Umstand inzwischen Sorge getragen und platziert in weiser Rücksichtnahme auf die entsprechenden Kunden das Kabel nun gut sichtbar direkt unter dem Kopfhörer. Die Schublade ist also bereits schon Geschichte.

Verarbeitung & Tragekomfort

Insbesondere bezüglich der Materialauswahl operiert SONOMA ACOUSTICS schon sehr nahe an der absoluten Perfektion. Aber das M1 ist obendrein auch noch mustergültig verarbeitet.

Treibergehäuse und die äußeren Schutzgitter des Kopfhörers werden aus silbergrau eingefärbtem Magnesium gefertigt und über einen fein einstellbaren Kopfbügel aus flexiblen Nylon12 konstruktiv miteinander verbunden. Das stabilisierende und innenliegende Stahlband ist zusätzlich titanbeschichtet, um die Gleitreibung zu minimieren.

Der Bügel ist zur Kopfseite wiederum mit einem auswechselbaren und weichen Band aus feinstem Schafsleder bezogen. Die handgefertigten Ohrpolster, welche ebenfalls sehr einfach auszutauschen sind, bestehen aus der gleichen anschmiegsamen Tierhaut. Der konsequente Leichtbau führt zu einem sensationell niedrigen Gewicht von nur 300 Gramm für lange und unbeschwerte Hörabende. Zumal der ursprüngliche Anpressdruck nach anfänglicher Kritik unserer amerikanischen Freunde zwischenzeitlich spürbar verringert wurde.

Die Verstärkereinheit stellt gewichtstechnisch quasi den Konterpart zum Kopfhörer dar. Denn das Gehäuse des M1 Energizers wird aus hochreinem und massivem Aluminium 6063 gefertigt.

Dazu wird das Material zunächst extrudiert und im Anschluss CNC-bearbeitet, um eine flache U-Form zu erzeugen, welche die Basis und die Seitenwände des Verstärkers umfasst. Eine oben liegende Platte ergänzt das dadurch vollständige Gehäuse. Mittels einer CNC-Maschine wird ein spezielles 3D-Wellenmuster sowohl in die Basis als auch in die obere Platte geschnitten, um speziell die Wärmeableitung zu erleichtern.

Um das gewünschte silbergraue Finish im Metall zu erzielen, werden die bearbeiteten Teile unter hohem Druck mit feinen Glasperlen bestrahlt, bevor sie klar anodisiert werden. Schlussendlich werden alle Logos und Bezeichnungen in das Metall eingelasert, um ein Verblassen zu verhindern.

Allein schon die edle Materialauswahl sowie die Verarbeitungsgüte des M1 würden den aufgerufenen Preis des M1 mehr als rechtfertigen. Aber selbstverständlich nur, wenn auch die klanglichen Qualitäten stimmen.

Technik

Und um dieses primäre Ziel letztendlich auch zu erreichen, hat SONOMA ACOUSTICS einen schier unglaublichen technischen Aufwand betrieben.

Der Treiber des Kopfhörers des M1 basiert dabei auf einem völlig neuartigen, von Warwick Audio Technologies LTD entwickelten hochpräzisen elektrostatischen Schichtwandler HPEL (High Precision Electrostatic Laminate Transducer). Dieses patentierte System besteht aus 8 Zellen pro Seite, welche parallel betrieben werden und die erzeugten Schallwellen, ohne dass diese ein typisches Statoren-Gitter passieren müssen, direkt an das Ohr weiterleiten.

Diese unmittelbare Wiedergabe unterbindet prinzipiell sehr wirkungsvoll Interferenzen. Durch die parallele Ansteuerung der einzelnen Zellen werden durch die unterschiedlichen Resonanzfrequenzen überdies die oft üblichen hohen Peaks von Single-Treibern vermieden.

Das sehr leichte und lediglich 15 µm dünne Membranmaterial des Kopfhörers sorgt nicht nur für einen erweiterten linearen Frequenzgang bis 60 kHz, es bietet nach Angabe des Herstellers zudem eine bislang unerreichte Leistung bei der Reproduktion von Transienten. Der M1 überzeugt weiterhin mit einer sehr hohen Serienkonstanz und Kanalgleichheit der paarweise selektierten Schallwandler (< ±0,8 dB Differenz).

Die Energizer & DAC Einheit des SONOMA ACOUSTICS M1 wurde zeitgleich und gemeinsam mit dem Kopfhörer entwickelt. Es kommt ein diskret aufgebauter Hochspannungverstärker (1.350 V DC-Bias) mit sehr geringer Verzerrung und großer Bandbreite zum Einsatz, welcher dazu optimal auf die HPEL Transducer abgestimmt wurde.

Der MOS-FET Verstärker wurde dabei so konzipiert, dass er die inhärente kapazitive Last der elektrostatischen Wandler kompensiert. Die Class-A Endstufe wird außerdem mit einem hohen Vorspannungspegel zugunsten einer exzellenten Anstiegsgeschwindigkeit (145 V RMS) betrieben.

Alle Signale werden digital, mit einer benutzerdefinierten 64-Bit-Festpunktarithmetik und doppelter Präzision sowie hoher Performance in einem Custom Multicore-XMOS-Prozessor verarbeitet. Über die analogen Eingänge eingeschleifte Signale werden mithilfe eines AKM 32-bit AD-Wandlers auf die digitale Ebene tranferiert. Das integrierte DSP optimiert zudem Amplituden- und Phasenverhalten und berücksichtigt auch die besondere Kennlinie der HPEL-Schallwandler.

Zur finalen Digtal-Analog Wandlung werden zwei ESS SABRE Reference Stereo-DAC-Chips in einem speziellen Monomodus verwendet. Ein CRYSTEK Ultra-Low-Noise Oscillator sorgt dabei jederzeit für eine ultrapräzise Taktung.

Oh, immer noch wach? Interessierte Leser erhalten weitere technische Informationen zum SONOMA ACOUSTICS M1 natürlich auch auf der Homepage des Herstellers unter: https://www.sonomaacoustics.com

Vorbereitung

Die interne Vorbereitung zu diesem Testbericht gestaltet sich ausnahmsweise einmal sehr einfach für mich. Nach einer längeren Einspielzeit von ca. 150 Stunden (!) verbinde ich das SONOMA ACOUSTICS M1 über das mitgelieferte USB-Kabel mit meinem AURALIC ARIES MINI + Ultra-Low-Noise Netzteil, welcher das M1 über seine implementierte SSD-Festplatte mit unkomprimierter musikalischer Kost versorgt.

Um aber desgleichen die Qualität des internen DAC des M1 besser beurteilen zu können, verwende ich im weiteren Verlauf meiner Rezension zusätzlich meinen METRUM ACOUSTICS AMETHYST, welcher über eine absolut erstklassige NOS-DAC-Sektion verfügt. Denn natürlich interessieren mich neben dem direkten Vergleich der beiden DAC auch die tatsächlichen Fähigkeiten des Analog-Digital-Wandlers von AKM, welcher die sensiblen Datenströme im Anschluss an das DSP des M1 weiterreicht.

Der AMETHYST kann im Übrigen problemlos über die entsprechend analogen Chinch-Buchsen mit dem M1 Energizer verbunden werden. Wahlweise steht noch ein 3,5 mm Klinkeneingang mit einer schaltbaren Eingangsempfindlichkeit zur Verfügung. Als Musikmaterial dienen mir des Weiteren wieder einmal die üblichen Verdächtigen aus Klassik, Jazz, Pop und Rock.

Klangtest


Meinen vollständigen Testbericht zum SONOMA ACOUSTICS M1 findet ihr auf meinem Blog unter: http://musicalhead.de/2017/12/30/test-s ... ustics-m1/

Lieben Gruß und viel Spass beim Lesen
Euer Fidelio