Testbericht zum GRADO GH2

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Testbericht zum GRADO GH2

Beitrag von fidelio » 03.12.2017, 19:45


Grado GH2.JPG
GRADO GH2

Heute rezensiere ich für euch wieder einmal einen Kopfhörer aus der Heritage-Serie des amerikanischen Herstellers GRADO – den auf 1.000 Exemplare limitierten GH2.

Gerade die On-Ear Modelle der kleinen Manufaktur in New York liegen mir ganz besonders am Herzen – war es doch ein GRADO RS1, welcher vor einigen Jahren meine Leidenschaft für das Kopfhören überhaupt erst wieder neu entfachte.

Wenn meine liebe Frau, welche sich damals wahrscheinlich überhaupt nichts Böses dabei dachte, als sie mich an meinem Geburtstag mit dem unscheinbaren Kleinod beglückte, geahnt hätte, welche unabsehbare Folgen dieses highfidele Geschenk nach sich ziehen würde, wäre ihre erste Wahl wohl eher auf mehrere dutzend Socken gefallen.

Denn im Verlaufe der letzten Jahre ist meine Kopfhörersammlung nicht nur sukzessive angewachsen, auch meine klanglichen Maßstäbe haben sich aufgrund der zwischenzeitlich getesteten Gerätschaften doch „geringfügig“ nach oben verschoben.

Und als bekennender Gralsritter scheue ich bekanntlich keine finanziellen Mittel, wenn mich das klangliche Ergebnis auf dem Weg zu meinem persönlichen Gral ein paar Schritte weiter voranbringt. Glücklicherweise besitzt meine tolerante bessere Hälfte sehr viel Geduld mit dem in ihren Augen bedauernswerten Mann.

Aber zurück zum Thema. Die Ohrlautsprecher aus Brooklyn nehmen für mich nach wie vor eine klangliche Sonderstellung im Kopfhörerhimmel ein. Dabei beeindrucken die handgefertigten Einzelstücke weder mit den gewaltigsten Bässen, den körperreichsten Mitten oder den filigransten Höhen.

Sie überzeugen in erster Linie mit einer überragenden Musikalität. Und der neueste Streich der New Yorker Schmiede knüpft selbstverständlich an diese lange Tradition an. Aber dazu später mehr im Klangtest.

Ich möchte mich an dieser Stelle übrigens noch einmal ganz herzlich bei Frank Schick vom deutschen GRADO-Vertrieb für die zeitnahe Teststellung des GH2 bedanken.

Verpackung & Ausstattung

Auch der GRADO GH2 wird seit gefühlten 100 Jahren ganz pragmatisch in dem typisch quadratischen Pizzakarton ausgeliefert, im vorliegenden Fall in einem hellen Heritage-Blau. Die Ausstattung im Inneren der Pappschachtel ist dabei ebenso spärlich bemessen wie es schon die Umverpackung suggeriert.

Neben dem obligatorischen und in Schaumstoff eingebetteten Kopfhörer finde ich noch einen aufsteckbaren Klinkenadapter von 3,5 auf 6,3 mm für die nicht abnehmbaren und beidseitig geführten Kabelzuleitungen, sowie einen kurzen schriftlichen Willkommensgruß in englischer Sprache bezüglich einer persönlichen Aufnahme in die große GRADO Familie nebst ausführlichen Glückwünschen zum Erwerb des GH2.

Ach so, fast hätte ich noch die Garantiekarte vergessen, welche praktischerweise direkt auf den Boden des Pizzakartons aufgedruckt wird und so im Fall der Fälle gemeinsam mit dem Ohrlautsprecher in der Originalverpackung wieder direkt an den Hersteller zurückgeschickt werden kann. Das nenne ich mal Minimalismus in Reinform.

Verarbeitung & Tragekomfort

Die Verarbeitungsqualität des GRADO GH2 ist für ein vollständig von Hand gefertigtes Produkt durchaus zufriedenstellend. Einzelne Bauteile des Kopfhörers sind sogar sehr aufwendig verarbeitet, beispielsweise die aus edlem Cocobolo-Holz gefertigten Treibergehäuse.

Im Gegensatz zum Erstlingswerk GH1 sind die Kanten zudem jetzt außen abgerundet, was die optische Wertigkeit meiner Meinung nach zusätzlich erhöht. Im Übrigen ist das sündteure Instrumentenholz mit einer paarweise selektierten Maserung zum Verlieben versehen.

Das ordentlich vernähte Kopfband aus schwarzem Rindsleder ist beim GH2 auch wieder stärker abgepolstert als beim GH1, was wiederum dem Tragekomfort zugute kommt. Auch die auswechselbaren Ohrpolster aus Schaumstoff sind sehr passgenau ausgeschnitten und schmiegen sich nach ein oder zwei Waschvorgängen mit einem sanften Spülmittel zudem sehr weich und kratzfrei an die Ohren an.

Da der GRADO GH2 mit einem Gewicht von lediglich 190 g außerdem zu den absoluten Leichtgewichten unter den Kopfhörern zählt, steht langen und ausgiebigen Hörabenden demzufolge gar nichts mehr im Wege.

Lediglich die Treibergabeln aus schwarzem Kunststoff, sowie die entsprechenden Aufnahmen aus dem gleichen Material mögen IMO so gar nicht in das Bild eines Kopfhörers dieser Preisklasse passen. Aber auch diese „Anomalie“ folgt bereits einer langen Tradition im Hause GRADO. Und besitzt auf eine gewisse Art und Weise auch einen ganz eigenen und rustikalen Charme.

Technik

GRADO LABS verwendet beim dem offenen On-Ear Kopfhörer die neuesten Konustreiber in der RED-Ausführung mit einem Durchmesser von 44 mm. Auch die Qualität der Kabelzuleitungen wurde nach Aussage von John Grado in der neuen Serie signifikant verbessert.

Mit einem Kennschalldruck von 99 db und einer Impedanz von 32 Ohm kann der GRADO GH2 zudem auch problemlos von mobilen Gerätschaften, wie beispielsweise DAP, betrieben werden. Der implementierte 3,5 mm Klinkenanschluss spricht hier bereits eine deutliche Sprache und zeugt folglich schon im Vorfeld von dieser Möglichkeit. Obgleich das akustisch völlig offene System den mobilen Einsatz auf etwas ruhigere Umgebungen einschränkt.

Allerdings habe ich kürzlich festgestellt, dass diese Auslegung in einer Partnerschaft durchaus Vorteile bieten kann. Bei unseren gemeinsamen Spaziergängen im nahegelegenen Waldgebiet konnte ich nämlich meinen musikalischen Pretiosen frönen und gleichsam eine rudimentäre Kommunikation mit meinem zweibeinigen Schatz pflegen. Sehr sozialverträglich.

Vorbereitung

Für den nun anstehenden Testbericht wähle ich zunächst die entsprechenden Spielpartner für den GRADO GH2 aus. Meine Wahl fällt zum Einen auf meinen QUESTYLE QP2R als typischen Vertreter der mobilen Fraktion. Der kleine HIGH-END DAP eignet sich meiner Erfahrung nach aufgrund seiner hohen Stromlieferfähigkeit ganz hervorragend für eine langfristige Beziehung zu den Kopfhörern aus Brooklyn.

Ein ausführlicher Testbericht zum neuen QP2R ist selbstverständlich schon fest von mir eingeplant. Vielleicht ja noch vor Weihnachten. Nur das Jahr steht noch nicht so ganz fest.

Zum anderen kann sich der GRADO GH2 am METRUM ACOUSTICS AMETHYST, einem NOS-DAC/Kopfhörerverstärker der neuesten Generation, beweisen. Der brandneue Geheimtipp der niederländischen Manufaktur ist in der Lage, auch anspruchvolle Magnetostaten problemlos anzutreiben und sollte in Kombination mit dem GH2 somit vor keinerlei technische Probleme gestellt werden.

Der AMETHYST bezieht seine Daten wie so oft von meinem iMAC mit optimierter AUDIRVANA-Software, verbunden über ein AUDIOQUEST CINNAMON-Digitalkabel. Als Musikmaterial dienen mir dabei die üblichen Verdächtigen aus Pop, Rock, Klassik und Jazz, gespeichert vorwiegend als FLAC- und AIFF Dateien. DSD-Formate kann der Not-Over-Sampling-Wandler übrigens nicht verarbeiten.

Um das nachfolgende klangliche Ergebnis besser in einen Kontext bezüglich einer eventuellen Veränderung der Klangsignatur von GRADO-Kopfhörern über die Zeit einordnen zu können, vergleiche ich den GH2 zudem mit meinem schon etwas betagteren RS1 Modell.

Der GH2 wurde vor Beginn meiner Rezension selbstverständlich 150 Stunden penibel eingespielt. Weitere Informationen zum GRADO GH2 erhaltet ihr natürlich auch Online unter: Gradolabs.com

Klangtest

Meinen vollständigen Testbericht findet ihr auf: Musicalhead.de

Euer Fidelio