Rezension Limited Edition des DT 770 Pro

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gugelhupf

Rezension Limited Edition des DT 770 Pro

Beitrag von gugelhupf » 13.10.2017, 17:17


Hallo zusammen

Klasse Idee so ein Kopfhörer Forum, da muss ich doch gleich mal mitschreiben !

Aufgrund des Mangels an aussagekräftigen Rezensionen zur Limited Edition des DT 770 Pro mit 16 Ohm möchte ich die Gelegenheit nutzen anderen Interessenten ein wenig Hilfestellung bei dieser doch speziellen Kaufentscheidung zu leisten. Abgesehen von den vorliegenden Produktinformationen auf Amazon findet man so gut wie keine weiteren Infos im deutschsprachigen Raum zu diesem Kopfhörer. Selbst Beyerdynamic listet die 16 Ohm Variante nicht auf deren offizieller Homepage. :?

Vorwort:

Ein Vergleich anhand vorhandener Reviews im Internet lässt den geneigten Leser mitunter verwirrter zurück als zu Beginn der Suche. So auch, oder muss man sagen speziell im Fall des DT 770 Pro. Obwohl bereits seit Jahrzehnten in leicht veränderter Form auf dem Markt, findet man Aussagen zu all seinen persönlichen Fragen welche sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung tendieren. So liest man mitunter von vorhandenen oder nicht vorhandenen großen Bühnen, guter oder schlechter Analytik, von einem druckvollen Aufspielen oder aber auch von der sogenannten "Badewannenakustik". Einem Unbedarften kann an dieser Stelle durchaus ein Vergleich mit vermeintlichen Weinkennern in den Sinn kommen. Manche unter diesen schmecken sogar noch den kalkhaltigen Boden heraus auf denen die Reben gewachsen sein sollen, andere nur Kork und Essig. Da Höreindrucke immer subjektiv sind und von den Gewohnheiten und Ansprüchen des Nutzers abhängen, möchte ich deshalb nur vergleichend auf den Klang des DT 770 Pro 16 Ohm eingehen ohne den Anspruch eines unantastbaren audiophilen Experten zu erheben.

Die ohmsche Frage:

Beyerdynamic bietet den DT 770 Pro aktuell in vier unterschiedlichen Varianten an (drei offiziell, vier inklusive der 16 Ohm Limited Edition), welche sich durch die jeweils spezifische Impedanz definieren. Möchte man nun Kopfhörer der klanglich gehobenen Klasse an mobilen Endgeräten betreiben, so stellt man oft fest dass die gewünschte Lautstärke bzw. der gewünschte "Druck" am Ohr nicht erzeugt werden. Den doch recht komplexen technischen Hintergründen geschuldet findet man im Internet deshalb häufig die stark vereinfachte Aussage "je weniger Ohm desto lauter" wenn es um die Wahl von Kopfhörern für Mobilgeräte geht. Eine kurze Websuche mit den Begriffen "Kopfhörer" und "Impedanz" zeigt jedoch, dass diese Aussage nur haltbar ist wenn die zur Auswahl stehenden Kopfhörer eine vergleichbare Empfindlichkeit aufweisen. Bemüht man diesen Vergleich, so stellt man fest dass alle Versionen des DT 770 Pro vergleichbare bzw. identische Empfindlichkeiten aufweisen. Nach Adam Riese wäre demnach die 250 Ohm Variante am "leisesten" (benötigt am meisten Verstärkerleistung der vier Varianten) und die 16 Ohm Variante am "lautesten" (benötigt am wenigsten Verstärkerleistung um angetrieben zu werden). Und genau so stellt es sich heraus!

Lautstärke und Klang:

Auch wenn es manche Nutzer im Internet anders zu sehen scheinen, so sollte man den Ingenieuren sowie der Marketingabteilung von Beyerdynamic Sachverstand zugestehen was die Einordnung ihrer Kopfhörer in die verschiedenen Einsatzszenarien angeht. So liest man von Nutzern die eine 250 oder 80 Ohm Variante an Smartphones und mobilen Audioplayern einsetzen (Hersteller jeweils vernachlässigbar). Diese schwärmen zugleich vom tollen Klang und bezeichnen die Lautstärke als "mehr als ausreichend". Wie die Kopfhörer angetrieben werden bleibt dabei meist im Verborgenen oder wird im Nebensatz erwähnt: Nämlich durch einen zusätzlichen Kopfhörerverstärker! Denn direkt am Kopfhörerausgang des Endgerätes kann in aller Regel nicht genug Leistung erzeugt werden um den Kopfhörer adäquat anzutreiben. Das Ergebnis sind sonst eine geringe Lautstärke und / oder ein flacher Klang. Möchte man die Kopfhörer jedoch ohne separaten Kopfhörerverstärker betreiben (Komforteinbußen durch zusätzliches mitführen eines Gerätes und Ausgaben für Hardware), bleiben einem "nur" die 32 Ohm bzw. 16 Ohm Variante. An dieser Stelle böte sich natürlich ein direkter Vergleich zwischen 32 und 16 Ohm Variante an. Da ich jedoch nicht über alle DT 770 Pros verfüge, muss ein Vergleich mit der 80 Ohm Variante genügen welche zu Hause seit Jahren treue Dienste leistet.

Klanglich stellt sich die 16 Ohm Variante in meinen Augen (bzw. Ohren) ähnlich dar wie in den positiven Rezensionen zur 32 Ohm Variante beschrieben:

- Sauberer, konturierter und satter Bass (+) (Etwas prägnanter als bei der 80er Variante)
- Die Mitten etwas zurückgenommen (-) (Unterschied marginal zugunsten der 80er Variante)
- Detaillierte Höhen ohne im Entferntesten zu schneiden oder unangenehm zu klingen (=) (kein hörbarer Unterschied zur 80er Variante)

Allgemein liefert der DT 770 Pro - wie in anderen Rezensionen bereits bemerkt - kein absolut neutrales Klangbild, da die Bässe grundsätzlich stärker betont werden und die Mitten etwas in den Hintergrund rücken. Nutzer sollten hier allerdings keine übersteuerten und grummelnden „Bassgewitter“ erwarten. Vielmehr bietet der Kopfhörer das Maß an „Druck“ im Bereich der tiefen Frequenzen, welches ich bei preislich vergleichbaren Produkten der Konkurrenz (Sennheiser, Shure, AKG, Audio Technica) stets vermisst habe. Die 16 Ohm Variante reiht sich also nahtlos in die Riege der DT 770 Pros ein. Der persönliche Fokus liegt hierbei allerdings nicht auf Studio Monitoring, sondern vielmehr auf dem reinen Hören elektronischer Musik verschiedenster Genres.

Als täglicher Begleiter wird der Kopfhörer an einem LG G5 Smartphone mit Bang & Olufsen HI-FI Plus Erweiterungsmodul betrieben. Als Software kommt wiederum die Android-Referenz "Poweramp" zum Einsatz. Die Verbindung aus 32 Bit Digital-Analog-Wandler mit dediziertem Verstärker-Chip sowie den vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten der Software bilden in meinen Augen eine gute Ausgangsbasis um das Potential der Kopfhörer annähernd auszuschöpfen. Final entkräftet werden kann der Vorwurf, dass der DT 770 Pro einen dumpfen „Badewannensound“ liefern würde. Details lassen sich stets präzise heraushören. Allgemein ist man immer wieder aufs Neue erstaunt welche klanglichen Feinheiten es noch zu entdecken gilt. Selbiges gilt für das Stereo-Raumgefühl.

Zur Lautstärke sei gesagt, dass diese am erwähnten LG G5 mit HI-FI Plus Modul wirklich "ausreichend" ist. Passendes Ausgangsmaterial und die richtigen Equalizer-Einstellungen vorausgesetzt, schafft es die Kombination aus Smartphone und Kopfhörer trotz EU-Regularien zum maximal erlaubten Output des Kopfhörerausganges (zur Verhinderung von Hörschäden) einen solchen Schalldruck zu erzeugen, dass es schon nach kurzer Zeit wirklich unangenehm wird. Dem hartgesottenen Androidnutzer bietet "Poweramp" darüber hinaus noch die Möglichkeit durch Anhebung des Pre-Amp Wertes im Equalizermenü (in Verbindung mit dem eingebauten Limiter verzerrungsfrei) das ein oder andere Brikett nachzulegen und seinen HNO Arzt vor Arbeitslosigkeit zu bewahren. Mangelnde Lautstärke sollte demnach nicht das Problem sein. Getestet wurden weiterhin das iPhone 6S, das Nexus 6P sowie das HTC 10. Auch hier stellte mangelnde Lautstärke kein Problem dar.

Fazit:

Konstruktionsbedingt ergeben sich zwangsläufig Klangunterschiede zwischen den verschiedenen Varianten des DT 770 Pro. So löst die 250 Ohm Variante Details am feinsten auf, muss aber dementsprechend mit hoher Verstärkerleistung betrieben werden. Diese Abstufung lässt sich bis zur Variante mit 16 Ohm fortführen. Mobile Nutzung stellt in meinen Augen aber einen Kompromiss aus Klang und dem dafür notwendigen Equipment dar und genau an dieser Stelle spielt die 16 Ohm Variante ihre vollen Stärken aus. Hinzu kommt der Tragekomfort in Verbindung mit den kultigen Velourpolstern welche immer noch ungeschlagen sind. Selbst stundenlanges Hören ist hierdurch problemlos möglich.

Als einziges Manko lässt sich die in meinen Augen für den primären Einsatzzweck unsinnig gewählte Kabellänge von 3m aufzählen. Abhilfe kann hier durch den Einsatz von Kabelbindern (idealerweise solche, die sich im Bedarfsfall einfach wieder öffnen lassen) und ein bisschen Feintuning geschaffen werden. Diesen Nachteil gegenüber der 32 Ohm Variante (Kabellänge 1,6 m) nehme ich jedoch gerne für die vorhandenen Leistungsreserven in Kauf. Letztlich dankt es einem nicht nur der Klang (an dieser Stelle keine Ausflüge in die Audiotechnik-Lehre), sondern auch der Akku des Abspielgerätes wenn die Lautstärke nicht permanent bis ans mögliche Maximum aufgedreht werden muss.